Irische Wolle in allen Farben

Kurz nach Erscheinen meines Buches fing es an:

Leserinnen, die eine Irlandreise nach West Cork planten (nicht wenige von der Tüte-Lektüre dazu angeregt), wollten von mir wissen, wo dort sie solch wunderschöne handgefärbte Wolle kaufen könnten, wie Lucy sie in der Nähe von Ballydehob bei Kathleen Moore findet.

Grüne Wolle aus dem grünen Wind :-)  Foto & Wolle © Eve Chambers Textiles

Lange lautete meine Antwort: „Tut mir leid! Die Woll-Färberin habe ich erfunden. Handgefärbte Wolle gibt es in der Gegend nicht. Auch die dortigen Läden haben keine im Angebot.“

Heute kaum zu glauben, doch um das Jahr 2000, als ich Eine Tüte grüner Wind schrieb, gab es weder im Städtchen Schull noch in Bantry (und auch nicht darüber hinaus, so weit ich damals feststellen konnte) ähnliche Wolle zu kaufen.

Meine Recherche-Nachfrage in einem Geschäft in der Hauptstraße von Schull habe ich eins zu eins in den Roman übernommen:

In einem Laden, der von Kinderkleidung über Regenmäntel bis zu Flanellnachthemden alles Mögliche verkaufte, gab es zwar Wolle, doch eine große Auswahl hatte er nicht.

Aus einer Tonne fischte Lucy dunkelgraue Wolle: »Für Socken«. Weiße weiche Wolle: »Für Babyjäckchen«. Und dicke helle Wolle: »Für dicke Pullover«.
»Grüne Wolle?«, sagte die Verkäuferin. »Nein, grüne Wolle haben wir nicht. Ich könnte Ihnen Wolle bestellen. Hier, aus diesem Katalog. Es dauert so drei bis vier Wochen.«

Und das wäre ganz „normale“ Wolle gewesen. Außerdem war die Auswahl an Grüntönen im Katalog war äußerst begrenzt. Im Buch werden Lucy und Tante Paula dann ja ein paar Kilometer weiter zu Kathleen Moore geschickt, der Paula ihre Nichte vorstellt und erklärt:

»… sie sucht dringend Wolle. Grüne Wolle. In Schull meinte man, Sie könnten ihr helfen.«

»Wahrscheinlich kann ich das«, lächelte die Frau. »Und, hast du ein bestimmtes Grün im Sinn, Lucy?«

»Nein«, sagte Lucy. »Ich meine, ich möchte nicht nur ein Grün. Ich brauche ganz viele verschiedene Grüns.«

»Und wie viele Grünschattierungen brauchst du, Lucy? Und wie viel von jeder Sorte? Und – wenn ich neugierig sein darf – wofür brauchst du die Wolle?«

»Ich will eine Decke stricken, eine Patchworkdecke, die aussieht wie die Felder und Wiesen in einem Tal. Haben Sie denn viel in Grün? Am liebsten hätte ich – zwölf verschiedene Farben. Oder fünfzehn. Jedenfalls möglichst viele.«

Kathleen Moore sagte: »Es gibt ein Lied, in dem von vierzig verschiedenen Grüntönen die Rede ist, die es in Irland gibt: ›The forty shades of green‹. So viele habe ich nicht. Aber ich glaube, ein gutes Dutzend müssten es sein.«

Sie führte Lucy und Paula ins Haus, in einen Raum mit einem großen Tisch in der Mitte. An den Wänden standen hohe Regale, in denen die Wolle lag. Sie war nach Farben geordnet, von Weiß über Gelb und Rot nach Braun, Grün, Blau, Grau und Schwarz. Wie ein Regenbogen.

Lucy kam es vor, als befände sie sich in ihrer Wollschublade zu Hause. Sie ging langsam an den Regalen entlang. Es gab kräftige Färbungen und viele Zwischentöne. Leuchtend, doch nicht grell. Sie drehte sich um. »Die Farben sind – anders!«

»Ich färbe nur mit Pflanzenfarben. Zum Teil nach alten, irischen Rezepten. Brennnessel, Ginster oder Heidekraut ergeben sehr schöne Grüntöne. Auch Holunderblätter. Und Birnenlaub.«

Lucy hatte nicht gewusst, dass man mit Pflanzen färben konnte. Im Woll-Laden zu Hause gab es so etwas nicht. Ihr wurde fast schlecht bei dem Gedanken, was ihr da beinahe entgangen wäre. Sie näherte sich dem Grün-Regal. Auf den ersten Blick sah sie, dass sie hier alle ihre Grüntöne gefunden hatte.
Lucy zog einen Wollstrang nach dem anderen heraus. Hell- und Dunkelgrün, Graugrün und Oliv, ein dunkles Blaugrün, Moosgrün, Boskop-Apfelgrün, Grünbraun und ein gelbliches Grün.

Inzwischen hat sich in Irland, besonders in der Region West Cork, viel getan.

Heutzutage kann ich Wolle suchende Leserinnen an Eve Chambers verweisen, die ich über Instagram entdeckt habe.

Sie färbt ihre Garne in der Nähe von Schull, also mitten im grünen Wind. Beinahe kam es mir vor, als hätte ich Eve erfunden ;-)

Ihre Wolle verkauft sie unter anderem auf den Bauernmärkten von Schull und Skibbereen, aber auch online. Prompt habe ich bei ihr Wolle bestellt. Grüne natürlich.

Wer mal bei Eve Chambers Textiles stöbern möchte: www.instagram.com/evechamberstextiles

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Gesine Schulz: The Greenest Wind. Translated by Rebecca Heier. Cover design: Sam Kalda. Auf dem Cover der englischen Übersetzung The Greenest Wind sieht man sogar die Wolle, aus der Lucy ihre Patchworkdecke strickt.

Gesine Schulz: Eine Tüte grüner Wind - Sommerferien in Irland Mehr…

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Über Gesine Schulz

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