Wörter und Beeren

Ein willkommener Anlass, mal wieder in einem meiner alten Kochbücher zu stöbern:

Gestern habe ich zum ersten Mal Kornelkirschen gekostet (mhh …!) und mir dann eine Handvoll der Früchte vom Strauch gepflückt, um sie morgens ins Müsli zu schneiden oder in den Porridge. Vielleicht werde ich auch mit geschmolzener dunkler Schokolade experimentieren.

Für Marmelade reicht meine Menge nicht, doch die Entdeckung, dass man die in Österreich Dirndl-Marmelade nennt oder auch
Dirlitzen-Marmelade – beides Wörter, die mir neu waren –, hat mich wie schon so oft zum Weiterlesen verführt.

Mischmarmelade mit Paradiesäpfeln … mir rätselhafte Abkürzungen … Gebackene Mäuse (nein, keine vierbeinigen)… Krähensuppe (ja, ist genau das, wonach es sich anhört) … Immer wieder sind diese Bücher bei aller äußeren Nüchternheit für mich eine fantasieanregende Lektüre. Auch eine Zeitreise, diesmal schnurstracks in eine (vielleicht) Wiener Küche um das Jahr 1906.

Apropos mir rätselhafte Abkürzungen:
Die (das?) im Rezept genannte Nem bezieht sich auf den Brennwert von einem Gramm Frauenmilch.

Die Kornelkirsche soll sich auch zum Färben von Wolle oder Stoff eignen.
Ob man dafür Beere, Blätter oder Rinde verwendet, konnte ich noch nicht herausfinden. Vielleicht hatte ja das leuchtend rote Wollknäuel, das Lucy in Eine Tüte grüner Wind entdeckt, seine Farbe von der Kornelkirsche?

In dieser Szene sieht Lucy zum ersten Mal pflanzengefärbte Wolle:

Sie ging langsam an den Regalen entlang. Es gab kräftige Färbungen und viele Zwischentöne. Leuchtend, doch nicht grell. Sie drehte sich um.
»Die Farben sind – anders!«
»Ich färbe nur mit Pflanzenfarben. Zum Teil nach alten, irischen Rezepten. Brennnessel, Ginster oder Heidekraut ergeben sehr schöne Grüntöne. Auch Holunderblätter. Und Birnenlaub.«

Lucy hatte nicht gewusst, dass man mit Pflanzen färben konnte. Im Woll-Laden zu Hause gab es so etwas nicht. Ihr wurde fast schlecht bei dem Gedanken, was ihr da beinahe entgangen wäre.

Sie näherte sich dem Grün-Regal. Auf den ersten Blick sah sie, dass sie hier alle ihre Grüntöne gefunden hatte.

Lucy zog einen Wollstrang nach dem anderen heraus. Hell- und Dunkelgrün, Graugrün und Oliv, ein dunkles Blaugrün, Moosgrün, Boskop-Apfelgrün, Grünbraun und ein gelbliches Grün.

Sie legte alles auf den Tisch und betrachtete es einen Augenblick. Sie drehte sich noch einmal um, und ehe man sich’s versah, lag ein leuchtendes Rot auf dem Tisch.

»Irischrot«, murmelte Lucy und zwinkerte ihrer Tante zu.

Eine Tüte grüner Wind – Sommerferien in Irland. Von Gesine Schulz. Hörbuch. SAGA Egmont

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Über Gesine Schulz

Schriftstellerin / Writer
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