Jella Lepman

Vermutlich wäre sie verwundert, in einer Sammlung namens „Krimi-Frauen“ aufzutauchen 😉

JJella Lepman: Wer ist Lux?
Doch da Jella Lepman auch zwei Detektivgeschichten geschrieben hat, gehört sie durchaus in mein Interessensgebiet, kurz „frühe Krimi-Frauen“ genannt – und etwas vollmundiger und genauer „Kriminalliteratur deutschsprachiger Autorinnen vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“.

Jella Lepman, geb. Lehmann, *15. Mai 1891 Stuttgart – 4. Oktober 1970 Zürich
Veröffentlichungen auch unter dem Pseudonym Katherine Thomas. Einige Übersetzungen erschienen unter Giela Lepman, Jiela Laipuman.

Jella Lepman war Journalistin, Schriftstellerin, Herausgeberin, Übersetzerin, Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek in München, Bibliotheksdirektorin, Herausgeberin zahlreicher Anthologien. Sie schrieb Kinder- und Jugendbücher, Novellen, Essays und hatte die Idee für Die Konferenz der Tiere von Erich Kästner.

Sie war die älteste (andere Quelle: mittlere) von drei Töchtern. Ihre Eltern waren Flora, geb. Lauchheimer (1867–1940) und Josef Lehmann (1853–1911), der Fabrikbesitzer war. Sie gehörten zum liberalen Judentum.
Mit 17 Jahren organisierte Jella bereits in einer Stuttgarter Zigarettenfabrik eine „Internationale Lesestube“ für Kinder ausländischer Arbeiter.
Sie heiratete einen Deutsch-Amerikaner, der starb, als sie 31 Jahre alt war und ihre Kinder noch klein waren. Sie wurde Journalistin und veröffentlichte 1928 ihr erstes Kinderbuch.
Mit Hitlers Machtübernahme verlor sie ihre Stelle. Auf Rat von Freunden ging sie 1936 mit ihren beiden Kindern ins Exil, über Italien nach England und später in die Schweiz.

1943 erschien ihr teilweise autobiographisches Buch Women in Nazi Germany
unter dem Pseudonym Katherine Thomas in London (Reprint 1981) – „a book that took a near-feminist position in favor of German women“ (Uta Gerhardt in dem von ihr herausgegebenen Buch Talcott Parsons on National Socialism, 1993). Jella Lepman wurde britische Staatsbürgerin, arbeitete im Foreign Office, für die BBC und einen amerikanischen Radiosender.

Im Herbst 1945 kehrte sie in amerikanischer Uniform nach Deutschland zurück, als „Advisor for Women’s and Youth Affairs“ der amerikanischen Armee. Mit Mitteln der Rockefeller-Stiftung gründete Jella Lepman 1946 in München die Internationale Jugendbibliothek http://www.ijb.de und 1953 in Zürich IBBY, International Board on Books for Young People, http://www.ibby.org

Ihre Autobiografie Die Kinderbuchbrücke erschien 1964; die englische Übersetzung wurde zum 50. Geburtstag der Organisation IBBY neu aufgelegt, ergänzt um neue Texte und historische Fotos: A Bridge of Children’s Books: The Inspiring Autobiography of a Remarkable Woman (Dublin 2002).
Sehr lesenswert (und ausführlicher) ist der Beitrag von Birgit Dankert „Mission for the children“: Jella Lepman (1891–1970), am 27. Juni 2017 im Blog derBücherfrauen.

Jella Lepmans Sohn Guy Lepman starb am 24. April 2002, ihre Tochter Anne Marie Mortara-Lepman im Jahr 2006.

Hier die beiden oben erwähnten Detektivgeschichten:

Das Geheimnis vom Kuckuckshof. Eine Detektivgeschichte aus dem Schwarzwald. London: John Murray, 1942. 2. Auflage, London 1958 mit deutsch-englischer Vokabelliste.
Hörbuch:
Des Geheimnis vom Kuckuckshof / Jella Lepman. St. Paul, Minn: EMC Corporation. (Deutsche geschichten series) – 3 cassettes, 1 book, 1 teacher’s guide.
Jella Lepman: Das Geheimnis vom Kuckuckshof.

Wer ist Lux? Eine Detektivgeschichte für die Jugend. Textzeichnungen von Paul Flora. Reutlingen: Ensslin & Laiblin, 1950. 137 S. — Mit der Widmung: Für Anne-Marie und Günther-Conrad

JJella Lepman: Wer ist Lux?

Der Anfang von Wer ist Lux?:

„Was für ein seltsames Gebäude“, sagten die Leute, wenn sie erstmals die Schule am Hügel sehen. Man kann es ihren Gesichtern genau anmerken, daß sie etwas außer Fassung geraten, wenn ein Vorübergehender ihnen antwortet: „Das ist die Schule am Hügel, gehen Sie nur hinauf, das ist eine ganz besondere Schule.“

Das soll eine Schule sein, dieses seltsame Ding, das fast nur aus Glas besteht, mit seinen Terrassen und einem runden Turm, auf dem ein riesiger Wetterhahn sich bläht? Wie sollen die Schüler in einem solchen Hause eine gute Note in Aufmerksamkeit bekommen? Es verlockt dazu, die Augen durch die Landschaft spazieren zu lassen, Purzelbäume auf den Terrassen zu schlagen, sich wie der Turmhahn oben im Spiel der Winde zu drehen.

Hat man jemals ein Haus ohne Ecken gesehen, ganz und gar ohne Ecken? Was soll aus der guten alten Sitte des Eckenstehens werden, wenn man solche Schulen baut?

„Die Erde ist rund, warum sollen es die Wände meiner Schule nicht auch sein?“ sagte der Schulleiter Walt Stefan, der selbst den Bauplan mit dem Baumeister ausgearbeitet hatte, und dagegen wußten auch die Krittler nicht sofort etwas einzuwenden. Später natürlich fanden sie tausend Gründe, aber bis dahin war das Haus längst ohne Ecken auf seinem Platz festgewachsen.

Nachlass:
Jella-Lepman-Sammlung, Internationale Jugendbibliothek, Schloss Blutenburg, 81247 München http://www.ijb.de

Sekundärliteratur (Auswahl):
Dank an Jella Lepman. Redaktion: Brigitte Nottebohm. Frankfurt/M.: Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, 1969. 47 S.

Birgit Dankert: „Mission for the children“: Jella Lepman (1891–1970), 27. Juni 2017 im Blog der Bücherfrauen.

100 Jahre Jella Lepman, Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek / IJB. München: Internationale Jugendbibliothek. 1991. 16 S.

Books for Children of the World: The Story of Jella Lepman / Sydelle Pearl. Pelican Publishing Company, 2007. 32 S. ISBN 13: 978-1589804388

Freiburger Rundbrief. Jella Lepman — Die Kinderbuchbrücke
„Jella Lepman wurde am 15. Mai 1891 als älteste Tochter des jüdischen Fabrikanten Josef Lehmann und seiner Frau Flora, geb. Lauchheimer in Stuttgart geboren. …“
http://www.freiburger-rundbrief.de/de/?item=231

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Über Gesine Schulz

Schriftstellerin mit Vorliebe für Katzen, Gärten, Krimis, Irland, England… – VERÖFFENTLICHUNGEN: "Eine Tüte grüner Wind - Sommerferien in Irland" • "Darcy – Der Glückskater im Buchladen" & 5 weitere Darcy-Romane • Kurzkrimis über die Fälle der Privatdetektivin & Putzfrau Karo Rutkowsky • Kurzgeschichten • die Kinderkrimiserie "Privatdetektivin Billie Pinkernell". WEBSITES www.gesineschulz.com & http://www.billie-pinkernell.de
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2 Antworten zu Jella Lepman

  1. da liest sich ja schon das Leben der Autorin wie ein Krimi! Danke für den tollen Tipp, ich selbst hätte die Bücher wahrscheinlich nie gefunden. Liebe Grüße von der Insel!

  2. Gesine Schulz schreibt:

    Freut mich, danke!
    Viele Grüße auf die Insel 🙂

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