Bücher, Blumen & Handtaschen

Zwei Autorinnen im Grugapark.
Ich wollte einen Strauch suchen und ansehen, der in Kriminell gute Garten-Tipps vorkommt. Mischa, die darin über ihren Balkon unterm Dach schreibt, hatte – trotz des angesagten ungemütlichen Wetters mit Regenschauern – zugestimmt mit auf die Pirsch zu kommen. Eine ungefähre – sehr ungefähre – Standortangabe war alles, was wir hatten, um eine Pflanze zu orten, von der ich zwar ein paar Fotos gesehen hatte, auf denen sie allerdings Blätter trug. Anders als zu dieser Jahreszeit.
Wir suchten also einen kahlen Strauch ungewisser Form, der sich irgendwo hinter einer Gruppe von Bäumen befinden sollte, die zur Zeit ebenfalls unbelaubt waren. Zweifelnd starrten wir kahle Bäume an; war dies die genannte Baumgruppe, in deren Nähe …?

Oder die Bäume da drüben? Hätten wir ein Baumbestimmungsbuch mitbringen sollen, um sie anhand ihrer Wuchsform zu indentifizieren? Wir umkreisten Sträucher und Büsche, manche mit Namensschild, viele nicht. „Wir schreiben Krimis, wir recherchieren viel – da werden wir doch so einen Strauch finden.“ – „Hm.“ – „Oder wir kommen wieder, wenn er Blätter hat.“ – „Auch eine Möglichkeit.“ Es regnete nicht. Der Himmel war grau, die Luft unerwartet mild und von Blütendüften durchzogen. Schneeglöckchen, Krokusse, frühblühende Sträucher. Mischa fotografierte. Und: wir fanden den Strauch! Ein wild wucherndes Gestrüpp, noch keines Fotos wert. Aber immerhin wissen wir nun, wo er steht. (Den zweiten entdeckten wir ebenfalls.)
Wir schlenderten weiter, redeten. Als wir uns einer der Skulpturen näherten, kam das Gespräch auf den kürzlichen „Handtaschenprotest“ in Schweden. Mit über Denkmäler gehängten Handtaschen wird dagegen protestiert, dass in der Kleinstadt Växjö das Denkmal einer Frau nicht aufgestellt werden soll, die dort 1985 aus Protest gegen Neonazis einem solchen eins mit ihrer Handtasche überzog. Die Diskussion für und wider das Denkmal verbreitete sich mit dem Hashtags ‪#tantenmedhandvaeskan‬ ‪flugs übers Internet, samt Fotos von handtaschentragenden Denkmälern. Und so …

GRUGA #Handtaschenprotest 2 Foto © Mischa Bach.JPG

Foto: Mischa Bach

GRUGA #Handtaschenprotest 1 Foto © Mischa Bach

Foto: Mischa Bach

GRUGA #Handtaschenprotest 3 Foto © Mischa Bach.JPG

Foto: Mischa Bach

Zugegeben, eine rote Handtasche wäre fotogener gewesen. Oder eine krokusgelbe. Aber, na ja.

Ein Besuch im Tropenhaus setzte unserem Parkbesuch noch ein Krönchen auf. In der Lobby steht ein Regal, in das man Bücher spenden kann, welche man wiederum gegen eine Geldspende mitnehmen darf. Ein Blick auf die Reihen lohnt sich immer. Mischa fand zu ihrem Erstaunen einen Kriminalroman, den sie für ein Seminar suchte, das sie demnächst an der Uni gibt. Ich konnte zwei Büchern nicht widerstehen.

Monsignore Quijote von Graham Greene (Zsolnay Verlag, 1982), weil ich diesen Roman von Greene noch nicht kenne und ein bisschen wohl auch, weil die Geschichte wie meine Kurzgeschichte in La Mancha spielt.

Das zweite Buch ist Gruss an Tiere von Alfred Kerr (erstmals 1920 im S. Fischer Verlag erschienen), eine Ausgabe von 1955 aus dem Langen-Müller Verlag, herausgegeben von Gerhard F. Hering, mit Zeichnungen von Ruth Stoffregen.
Alfred Kerr, Gruss an Tiere
Ich entdecke nun, dass Kerr, der berühmte und einflussreiche Theaterkritiker aus dem Berlin der Jahre zwischen 1890 und 1933, ein gerne Reisender war, ein Weltreisender, und neben Prosa auch Lyrik schrieb.
Dieser Band versammelt vierundzwanzig seiner einfühlsamen Geschichten und Betrachtungen über Tiere, von der Nachtigall in Graz, über Seeigel, einem namenlosen Hund in St. Malo, Möwen, bis zum Kater Miezislaus und Said, dem Esel, der Kerr durch die ägyptische Wüste trug.

„Kerrs Blick auf das Tier kennt keine Sentimentalität. Eher distanziert er sich gelegentlich ironisch. Andererseits, im Blick auf die leidende, die seufzende Kreatur (die er einige Male mit einem schwer zu vergessenen Mitleidsgefühl beschrieben hat,…) richtet und rügt er mehrfach den Menschen. Dies epigramatisch scharf“, schreibt der Herausgeber im Vorwort, und „… in dieser Nähe zur Kreatur appelierend an eine Zeit, da stündlich der ‚Bruder Mensch‘ den Bruder Menschen schändet und schlägt.“
Als Buch erschienen sind Alfred Kerrs Beiträge 1920, nach dem Gemetzel des Ersten Weltkriegs; nur dreizehn Jahre später, im Alter von 65 Jahren, musster er mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland fliehen. Seine Tochter Judith, damals neun, in diesem Interview neunzig, schrieb Als Hitler das rosa Kaninchen stahl.

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Über Gesine Schulz

Schriftstellerin mit Vorliebe für Katzen, Gärten, Krimis, Irland, England… – VERÖFFENTLICHUNGEN: "Eine Tüte grüner Wind - Sommerferien in Irland" • "Darcy – Der Glückskater im Buchladen" & 5 weitere Darcy-Romane • Kurzkrimis über die Fälle der Privatdetektivin & Putzfrau Karo Rutkowsky • Kurzgeschichten • die Kinderkrimiserie "Privatdetektivin Billie Pinkernell". WEBSITES www.gesineschulz.com & http://www.billie-pinkernell.de
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3 Antworten zu Bücher, Blumen & Handtaschen

  1. mischabach schreibt:

    Liebe Gesine, wie schön, unseren Ausflug nun auch bei Dir nachlesen zu können. 🙂 Leihst Du mir den Kerr bei Gelegenheit einmal? Liebe Grüße, Mischa

  2. Pingback: Frühlingsvorboten | Stimmengewirr II

  3. Gesine Schulz schreibt:

    Liebe Mischa, ja, das Buch leihe ich Dir gerne. Ich finde übrigens, es sollte neu aufgelegt werden.
    Bis bald,
    Gruß, Gesine

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