Was liest Mischa Bach gerade – und warum?

Ich bin immer neugierig darauf, welches Buch jemand gerade liest und warum, und frage gerne danach. Einige Antworten veröffentliche ich ab und zu hier.
Letzte Woche gab Anni Bürkl Auskunft.

Heute danke ich Mischa Bach für die Beantwortung meiner Frage.

Foto: © Ronald McDonald Haus, Essen http://www.mcdonalds-kinderhilfe.org

Mischa Bach bei einer Benefizlesung im Hundertwasser-Haus, Essen. Foto: © Ronald McDonald Haus

Mischa Bach ist vielseitig. Sie ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin (Polizeiruf 110), Dramatikerin, Herausgeberin, Lektorin, Übersetzerin, promovierte Dozentin, Malerin und leidenschaftliche Balkon-Gärtnerin hoch über den Dächern von Essen. Im Rheinland geboren, lebt sie seit vielen Jahren im Ruhrgebiet. Ihr erster Roman Der Tod ist ein langer, trüber Fluss wurde mit dem Martha-Saalfeld-Preis ausgezeichnet und war für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte “Debüt-Kriminalroman” nominiert. Ihr zuletzt veröffentlichte Roman ist Rattes Gift. Die Kriminalerzählung Die Geisel erschien vor einem Monat.

Mischa Bach:

In no particular order:

… weil ich’s geschenkt bekam: Yasunari Kawabata (Literaturnobelpreisträger 1968): Palm-of-the-Hand-Stories. Sehr kurze sehr japanische Erzählungen, die aus der Zeit von 1924 bis 1972 stammen und ungewöhnliche, schlaglichtartige Einblicke ins Reich der Sonne geben. Daran lese ich schon seit dem Sommer, denn wie sagte Melissa Drier, als sie mir das Buch schenkte: „Reading Japanese literature is like reading under water.“ Und man will ja bei aller Liebe zur Literatur und aller Neugier nicht ertrinken.

Küche, Diele, Mord, Krimianthologie hrsg. v. Almuth Heuner (2013). War erst unsicher, ob ich all die Kurzkrimis, die darin außer meinem versammelt sind, wirklich jetzt lesen sollte, wo ich doch in diesem Herbst/Winter in der Jury des Kurzkrimiglausers sitze. Dann ereilte mich eine Erkältung und ist stellte fest, kurze, spannende Stories sind etwas, mit dem man selbst einen grippigen Triefkopf wieder auf die Reihe kriegt.

… aus sozusagen sentimentalen Gründen: Sarah Kirsch, Erlkönigs Tochter, Gedichte (1992). Als Sarah Kirsch dieses Jahr starb, fiel mir auf, wie lange ich nichts mehr von ihr gelesen hatte. Am selben Tag trudelte eine Angebotsmail meines Lieblingsfrauenliteraturantiquariats Vrouwenindruk ein, auf dem dieser Gedichtband angeboten wurde. Nun lese ich immer mal wieder ein paar Gedichte darin. Manchmal erkenne ich etwas wieder, dann wieder wundere ich mich über die sprachlichen Verschleifungen und umgangssprachlichen Einsprengsel: Neben den Naturbildern und ihrer direkten Ansprache dürften sie mich als Teenager angezogen haben. Heute wundere ich mich. Und werde dennoch Ausschau halten nach Katzenkopfpflaster (dem ersten Gedichtband von ihr, dem ich je begegnete) und was mir sonst von ihr noch unterkommt.

… weil es nötig ist: Christa Wolf, Kassandra (1983). Irgendwann, ich weiß nicht mehr, wann genau und schon gar nicht so recht warum, fiel mir auf, dass ich gar keine Bücher mehr von Christa Wolf habe. Dabei war ich sicher, ich müsse mindestens Medea und Kassandra von ihr besitzen und das schon praktisch seit deren Erscheinen. Wieder kam mir Vrouwenindruk zur Hilfe (was auch heißt: wer meinem Link dorthin folgt & sich deren Angebotsmails bestellt, ist selber schuld, wenn sie hinterher keinen Platz mehr im Bücherregal, auf dem Schreibtisch und anderswo hat), denn da tauchte plötzlich Kassandra auf. Bestellt, geliefert bekommen, angefangen zu lesen. Immer nur ein paar Seiten. Weil die Sprache viel zu schön, zu besonders ist, um das dünne Buch an einem Abend zu verschlingen.

… weil es Teil meines Seminars ist: Anne Chaplet, Schrei nach Stille (2009). Lesen mit Notizbuch, das zugleich ein Wiederlesen ist. Aber vor allem ein Pflichtlesen, denn dieser Roman steht in der nächsten Sitzung meines Uniseminars „Erinnern und Vergessen – Ich und Identität in der Kriminalliteratur“ auf dem Plan.

Übrigens: Während es kein Zufall, sondern mein persönlicher Normalfall ist, verschiedene Bücher parallel zu lesen, steckt keine Absicht dahinter, dass dies alles Bücher von Frauen sind. Zumal ich je nach Definition von „gerade lesen“ noch weitere Bücher auflisten könnte:

… Dante Alighieris Göttliche Komödie besorgte ich mir vor ca. 7 Jahren, weil ich an einem Romanprojekt werkelte, das gewisse Bezüge zur Höllenvorstellung hat. Beides liegt allerdings schon eine Weile wieder auf Eis bzw. köchelt nur noch auf ganz kleiner Flamme, darauf wartend, dass mich die passende Muse in den Hintern tritt und ich dort weitermache, wo ich aufgehört habe.

… James Joyce Finnegan’s Wake kaufte ich irgendwann in den 1990ern, nachdem ich im zigsten Anlauf endlich den Dreh gefunden hatte, wie ich Ulysses zuende lesen konnte (im Original und alles, was keinen Sinn zu ergeben schien, laut). Finnegan jedoch legte ich zur Seite und dachte, Mist, da haben die Kritiker wohl doch recht, dies ist ein unlesbares Buch.

… The Complete Works of Lord Byron, fand ich Anfang der 1990er auf einem Wühltisch in England. Veliebte mich in Childe Harold und manch anderes, scheiterte aber an der Fülle der überlangen epischen Gedichte: Wie liest man so etwas?!

Mischa Bachs Blog

Verwendung des obigen Fotos von Mischa Bach mit freundlicher Genehmigung der McDonald´s Kinderhilfe Stiftung.

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Über Gesine Schulz

Schriftstellerin mit Vorliebe für Katzen, Gärten, Krimis, Irland, England… – VERÖFFENTLICHUNGEN: "Eine Tüte grüner Wind - Sommerferien in Irland" • "Darcy – Der Glückskater im Buchladen" & 5 weitere Darcy-Romane • Kurzkrimis über die Fälle der Privatdetektivin & Putzfrau Karo Rutkowsky • Kurzgeschichten • die Kinderkrimiserie "Privatdetektivin Billie Pinkernell". WEBSITES www.gesineschulz.com & http://www.billie-pinkernell.de
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2 Antworten zu Was liest Mischa Bach gerade – und warum?

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