Autorin im Nebel

Am Montagnachmittag. Heiter gestimmt und von keiner Wettervorhersage belastet fuhren wir Richtung Cork, zum Flughafen.
Das Wetter spätsommerlich. Am Himmel, wie ich es liebe, wechselnde Wolkengebilde. Wie Meerschaum; wie aufgeschüttelte weiße Federkissen; durchscheinend Grau. Dahinter, dazwischen, porzellanblauer Himmel.
Waren die Wolkenkappen, die nicht weit von Cork auf Hügeln lagen, Vorzeichen? Wir fanden sie malerisch. Ebenso wie die Schwaden, die nach einem Abzweig über die Straße wehten. Auf den letzten zwei, drei Kilometern, die uns vom Cork Airport trennten, verschlechterte sich die Sicht.
An unseren Anschlussflug in Amsterdam denkend, sagte ich nicht wirklich besorgt: „Hoffentlich bedeutet das keine Verspätungen.“
„Aber nein“, sagte C., der Optimist.

Foto: Gesine Schulz

Foto: Gesine Schulz

Minuten später fuhren wir Schrittempo; hofften, das kaum erkennbare Schild über uns richtig gedeutet zu haben. Wir hatten und bogen in den Mietwagen-Parkplatz ein. Erleichtert, wenn auch keine zwei Stunden vor dem Abflug. Was in Cork nicht so schlimm ist und auch nicht am Nebel lag, sondern an den Feigen, die ich noch gepflückt, in einen Eierkarton gebettet und aufs Handgepäck gelegt hatte.

Wir rollten, für irische Verhältnisse ziemlich pünktlich, unsere Reisetaschen über den Parkplatz. So weit, so gut. Außer, dass wir den Ausgang nicht fanden; kein hilfreiches Schild erblickten. Wir spähten aus der Einfahrt. Nicht die Andeutung eines Bürgersteiges. Wir rollten zurück, nach rechts. Rollten nach links. Parkende Autos. Mehr Autos. Kein Flughafen. Kein Geräusch. Hm.

Endlich zwei Gestalten, die sich aus dem Nebel schälten.
„Excuse me“, rief ich, „where is the airport?“
Wir alle lachten herzlich. Über die Absurdität der Frage. Über die Situation. Über das Wetter.
Die Frau streckte einen Arm aus und deutete hinter mich. Nur um die graue Wand herum – dort befinde sich das Flughafengebäude.
Graue Wand im grauen Nebel. Unsichtbar. Dahinter, wie eine Fata Morgana, Menschen, der Eingang zur Abflughalle. Darin wieder klare Sicht. Nur eine kurze Schlange vor dem Schalter. Im Nu hielten wir unsere Bordkarten für den Flug Cork – Amsterdam in den Händen. Mussten unser Gepäck allerdings wieder vom Band hieven. Weil der Flughafen seit dem Morgen dicht war.
Wir hätten Glück, erklärte die freundliche Aer Lingus-Angestellte. Am Flughafen in Shannon gebe es eine Maschine, die am nächsten Tag in Amsterdam gebraucht werde. Draußen stehe ein Reisebus für uns bereit.

Im Bus nach Norden verzehrte ich die erste Feige.

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Über Gesine Schulz

Schriftstellerin mit Vorliebe für Krimis, Gärten, Katzen, Irland, England… – BÜCHER & eBOOKS: "Eine Tüte grüner Wind - Sommerferien in Irland" • "Darcy – Der Glückskater im Buchladen" • Kurzkrimis über die Fälle der Privatdetektivin & Putzfrau Karo Rutkowsky • Kurzgeschichten sowie die Kinderkrimiserie "Privatdetektivin Billie Pinkernell". WEBSITES www.gesineschulz.com & http://www.billie-pinkernell.de
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