Bantry House Blues

Eine kulinarische Gartenreise in den Südwesten Irlands.
Am letzten Nachmittag genießt die Reisegruppe auf der Terrasse von Bantry House eine edwardianische Teestunde.

Bantry House Blues. Von Gesine Schulz

Hier ein Auszug aus der kulinarischen Kurzgeschichte mit einer Prise Krimi:

„Noch eine Tasse Tee, Madam?“

„Aber gerne!“ Frau Uhland war absolut entzückt von der stilvollen Teestunde im Bantry House. „Ich komme mir vor wie in Downton Abbey“, sagte sie zum zweiten Mal; diesmal ganz leise, vielleicht, damit Frau Duerr es nicht hören und wieder auftrumpfen würde, sie habe die Serie lange vor Frau Uhland gesehen und natürlich im Original, nur dann könne man die Feinheiten erfassen.

In Downton Abbey, dachte Marlis, hätte allerdings während einer vornehmen Teezeit kein so rustikaler Stockschirm wie der von Frau Uhland an einer Stuhllehne gehangen. Na, nicht so wichtig. Die Hauptsache war, ihren sieben Gästen gefiel es hier.

Zum traditionellen Afternoon Tea gab es Sandwiches, Scones mit und ohne Rosinen, Räucherlachs auf Sodabrot sowie diverses Süßgebäck. Dazu wurde der starke irische Tee gereicht und handgebrühter Bohnenkaffee.

Die letzte gemeinsame Mahlzeit im Bantry House einzunehmen, war eine hervorragende Idee gewesen, dachte Marlis. Die zauberhafte Lage des Herrenhauses über der Bucht von Bantry mit dem Blick auf die Berge der Beara-Halbinsel, das elegante Ambiente waren unübertrefflich. Aber das Tüpfelchen auf dem i war natürlich der nostalgische Touch dieser Tea-Time. Eine Teestunde, wie sie vor über hundert Jahren auch Hausgäste des letzten Earl of Bantry auf dieser überdachten Veranda genossen haben dürften.
Die ebenso herzliche wie zwanglose Begrüßung durch ein Mitglied der Familie, eine Nachfahrin des Grafen, hatte dem Ganzen schon zu Beginn das Krönchen aufgesetzt.

„Recht charmant, die junge Frau“, hatte Frau Duerr, Anfang sechzig, Kleidergröße 0, in der ihr eigenen überlegen-herablassenden Art geäußert. „Kaum zu glauben, dass sie das Haus, die Gärten und den Gästeflügel managt.“ Doch selbst Frau Duerr schien in der irischen Luft etwas weicher geworden. Oder war schlicht endlich mal satt.

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Leicht gekürzt erschien die Geschichte auch in der kulinarischen Krimi-Anthologie Porridge, Pies and Pistols, im Conte Verlag herausgegeben von Ingrid Schmitz. ISBN 978-3-941657-87-8

Porridge Pie kl Die Schauplätze bzw. Tatorte liegen in England, Irland, Schottland und Wales. Geschrieben haben Raoul Biltgen, Ina Coelen, Astrid della Giustina, Gitta Edelmann, Goest und Patsch, Rita Hausen, Simone Jöst, Wolfgang Kemmer, Ralf Kramp, Klaus Stickelbroeck, Tatjana Kruse, Heidi Moor-Blank, Nicole Neubauer, Andreas Pittler, Ingrid Schmitz, Gesine Schulz, Frauke Schuster, J. Monika Walther, Jutta Wilbertz, Jennifer B. Wind.

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Über Gesine Schulz

Schriftstellerin mit Vorliebe für Krimis, Gärten, Katzen, Irland, England… – BÜCHER & eBOOKS: "Eine Tüte grüner Wind - Sommerferien in Irland" • "Darcy – Der Glückskater im Buchladen" • Kurzkrimis über die Fälle der Privatdetektivin & Putzfrau Karo Rutkowsky • Kurzgeschichten sowie die Kinderkrimiserie "Privatdetektivin Billie Pinkernell". WEBSITES www.gesineschulz.com & http://www.billie-pinkernell.de
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4 Antworten zu Bantry House Blues

  1. Christina schreibt:

    Mmmh… Tea, Scones und der unvergleichliche Blick über Bantry Bay – bei der Vorstellung bekomme ich auch den Blues. Mein letzter Besuch in Irland liegt schon Jahre zurück, aber die Atmosphäre der grünen Insel und unzählige wunderbare Ausflüge an die wildromantische Westküste bleiben mir unvergessen. Irgendwann bin ich wieder da…
    Danke für diese schöne Erinnerung.

    Liebe Grüße von Christina

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